Zum Hauptinhalt springen

Allergie verstehen: Arten, Symptome und was dahintersteckt

  • Erwachsene

Erstellungsdatum: 01.10.2026

Letzte Aktualisierung: 01.10.2026

Wenn Du niest, sobald die ersten Pollen fliegen, oder nach einem bestimmten Essen mit juckender Haut reagierst, hast Du vielleicht selbst schon erlebt, wie belastend allergische Beschwerden im Alltag sein können. Dieser Artikel erklärt Dir verständlich, was dabei im Körper passiert, welche Formen und Auslöser häufig vorkommen und wann ärztlicher Rat sinnvoll ist.

Was ist eine Allergie?

Eine Allergie ist eine Überreaktion Deines Immunsystems auf einen eigentlich harmlosen Stoff. Dein Körper stuft diesen Stoff fälschlich als Bedrohung ein und wehrt sich mit typischen Beschwerden.

Der Stoff, der die Reaktion auslöst, heißt Allergen. Das kann zum Beispiel Blütenstaub, ein Lebensmittel, Insektengift oder ein bestimmtes Material sein. Bei vielen Allergien bildet das Immunsystem sogenannte Immunglobulin E- oder kurz IgE-Antikörper gegen das Allergen. Dadurch kann beim erneuten Kontakt eine allergische Reaktion ausgelöst werden.

Wenn diese Reaktion über IgE abläuft, spricht man von einer Typ-I-Reaktion. Sie setzt meist schnell ein. Dabei schütten bestimmte Abwehrzellen unter anderem Histamin aus. Histamin trägt zu vielen typischen allergischen Beschwerden bei, etwa Niesen, Juckreiz oder einer laufenden Nase.

Der Immunmechanismus hinter einer Allergie

Beim ersten Kontakt mit einem Allergen kann das Immunsystem sensibilisiert werden. Das bedeutet: Es merkt sich den Stoff und bildet passende IgE-Antikörper. Beim nächsten Kontakt kann das IgE das Allergen wiedererkennen und eine Reaktion auslösen.1

Daher kann es vorkommen, dass Beschwerden nicht beim ersten, sondern erst bei einem späteren Kontakt auftreten.

Histamin trägt zu allergischen Beschwerden bei, zum Beispiel:

  • Niesen und eine laufende oder verstopfte Nase: Das kennst Du vor allem vom Heuschnupfen, also der allergischen Rhinitis, einer Entzündung der Nasenschleimhaut.1
  • Juckende, gerötete oder tränende Augen: Das kann zu einer allergischen Bindehautentzündung passen.2
  • Juckende Haut oder Quaddeln: Solche Beschwerden können beispielsweise bei einer Nesselsucht, auch Urtikaria genannt, auftreten.3

Wie stark die Beschwerden ausfallen, ist individuell verschieden. Manche Menschen haben vor allem leichte, vorübergehende Beschwerden, andere fühlen sich im Alltag deutlich eingeschränkt.

Reaktionstypen I bis IV im Überblick

Nicht jede allergische oder immunologische Überempfindlichkeitsreaktion läuft über IgE. Fachleute unterscheiden mehrere Reaktionstypen. Für Betroffene ist vor allem wichtig: Solche Reaktionen können unterschiedlich schnell auftreten und verschiedene Bereiche des Körpers betreffen.

  • Typ I ist die klassische Sofortreaktion über IgE und Histamin, wie sie beispielsweise bei Heuschnupfen vorkommt.
  • In der medizinischen Einteilung gibt es außerdem Typ-II- und Typ-III-Überempfindlichkeitsreaktionen. Diese beruhen auf anderen immunologischen Mechanismen als die klassische IgE-vermittelte Sofortreaktion.
  • Typ IV ist eine verzögerte Reaktion. Sie setzt erst Stunden bis Tage nach dem Kontakt ein und wird nicht von Antikörpern, sondern von bestimmten Abwehrzellen getragen. Ein Beispiel ist die Kontaktallergie.

Diese Einordnung hilft, unterschiedliche Reaktionsmechanismen besser zu verstehen. Die folgenden Beispiele zeigen, welche Auslöser vorkommen und welche Beschwerden typisch sein können.

Häufige Formen und Auslöser von Allergien im Überblick

Allergien können durch unterschiedliche Auslöser entstehen. Die folgenden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich sich allergische Beschwerden äußern können.

Pollenallergie

Bei einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem auf Blütenstaub von Bäumen, Gräsern oder Kräutern. Typisch sind Beschwerden der allergischen Rhinitis, zum Beispiel Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase sowie juckende oder tränende Augen. Da Pollen je nach Jahreszeit unterschiedlich stark vorkommen, treten die Beschwerden häufig saisonal auf.1

Nahrungsmittelallergie

Bei einer Nahrungsmittelallergie richtet sich die Reaktion gegen bestimmte Bestandteile von Lebensmitteln. Die Beschwerden können nach dem Essen auftreten und zum Beispiel Juckreiz im Mund, Hautreaktionen oder Magen-Darm-Beschwerden umfassen. Wenn solche Reaktionen wiederholt auftreten, stark sind oder unklar bleiben, wende Dich bitte an Deinen Arzt oder Deine Ärztin.

Insektengiftallergie

Bei einer Insektengiftallergie reagiert das Immunsystem auf das Gift von Insekten, zum Beispiel von Bienen oder Wespen. Ein Stich kann dann Beschwerden auslösen, die über eine lokale Reaktion an der Einstichstelle hinausgehen. Da solche Reaktionen ernst werden können, sollte ein entsprechender Verdacht ärztlich abgeklärt werden.

Kontaktallergie

Die Kontaktallergie unterscheidet sich von vielen Sofortreaktionen: Sie ist eine verzögerte Reaktion vom Typ IV. Die Beschwerden treten erst Stunden bis Tage nach dem Hautkontakt mit dem Auslöser auf, zum Beispiel bei bestimmten Metallen oder Pflegeprodukten. Typisch sind gerötete, juckende oder schuppende Hautstellen dort, wo die Haut den Stoff berührt hat.4

Medikamentenallergie

Bei einer Medikamentenallergie reagiert der Körper auf einen bestimmten Wirkstoff. Die Beschwerden können sofort oder verzögert auftreten und sehr unterschiedlich sein. Wenn Du vermutest, auf ein Medikament allergisch zu reagieren, besprich das bitte mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin oder frage in Deiner Apotheke nach.

Warum Allergien entstehen

Warum manche Menschen eine Allergie entwickeln und andere nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem Veranlagung, Umweltfaktoren und frühere Kontakte mit bestimmten Auslösern. Eine mögliche Erklärung, die wissenschaftlich diskutiert wird, ist die sogenannte Hygienehypothese: Sie beschreibt die Annahme, dass ein Immunsystem, das in frühen Lebensjahren weniger Kontakt mit bestimmten Keimen und natürlichen Reizen hat, später empfindlicher auf harmlose Stoffe reagiert. Die Hygienehypothese ist jedoch nur eine von mehreren möglichen Erklärungen.5

Wie eine Allergie ärztlich abgeklärt wird

Wenn sich Beschwerden wiederholen oder der Verdacht auf eine Allergie besteht, kann eine ärztliche Abklärung helfen. Im Gespräch werden zunächst Deine Beschwerden sowie mögliche Auslöser erfasst. Je nach Verdacht können anschließend Allergietests eingesetzt werden, um mögliche Auslöser näher einzugrenzen. Die weiteren Schritte werden abhängig von den Ergebnissen ärztlich besprochen.6

Wann eine Allergie zum Notfall wird

In seltenen Fällen kann eine allergische Reaktion den ganzen Körper betreffen. Diese schwere Reaktion nennt man Anaphylaxie. Warnzeichen können unter anderem Atemnot, Schwellungen im Mund- und Rachenraum, Kreislaufprobleme oder Hautreaktionen sein. Treten solche Beschwerden plötzlich auf oder verschlimmern sie sich rasch, rufe bitte sofort den Notruf 112 an. Wenn bei Dir ein entsprechendes Risiko bekannt ist, solltest Du ein ärztlich verordnetes Notfallset immer griffbereit haben.

Welche Möglichkeiten zur Linderung Deiner Beschwerden infrage kommen, hängt unter anderem von der Art und Ausprägung der Allergie ab. Welche Vorgehensweise für Dich geeignet ist, besprich bitte mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin oder lass Dich in Deiner Apotheke beraten.

MAT-DE-2604447

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Allergie?

Kurz gesagt: Das Immunsystem reagiert auf ein Allergen so, als wäre es gefährlich, obwohl es für die meisten Menschen harmlos ist. Bei vielen Allergien sind IgE-Antikörper beteiligt. Dadurch kann Histamin freigesetzt werden, das Beschwerden wie Niesen, Juckreiz oder eine laufende Nase mitverursachen kann.

Wie erkenne ich eine Allergie?

Häufige Anzeichen sind Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase, juckende oder tränende Augen sowie Hautreaktionen wie Juckreiz oder Quaddeln. Auffällig ist oft, dass die Beschwerden in bestimmten Situationen wiederkehren, zum Beispiel in der Pollensaison oder nach Kontakt mit einem bestimmten Stoff. Ob tatsächlich eine Allergie vorliegt, lässt sich ärztlich abklären.

Können Allergien verschwinden?

Der Verlauf einer Allergie ist individuell. Beschwerden können sich im Laufe des Lebens verändern. Wie sich Deine Allergie entwickelt, besprichst Du am besten mit Deinem behandelnden Arzt oder Deiner behandelnden Ärztin.

Quellen

  1. Small P, et al. Allergic rhinitis. Allergy Asthma Clin Immunol. 2018;14(Suppl 2):51.
  2. del Cuvillo A, et al. Allergic conjunctivitis and H1 antihistamines. J Investig Allergol Clin Immunol. 2009;19(Suppl 1):11-18.
  3. Zuberbier T, et al. S3 Guideline Urticaria. J Dtsch Dermatol Ges. 2023.
  4. Fonacier L, et al. Contact dermatitis: a practice parameter update. J Allergy Clin Immunol Pract. 2015;3(3 Suppl):S1-S39.
  5. Okada H, et al. The hygiene hypothesis for autoimmune and allergic diseases: an update. Clin Exp Immunol. 2010;160(1):1-9.
  6. Heinzerling L, et al. The skin prick test - European standards. Clin Transl Allergy. 2013;3:3.